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May 30th, 1984

DIE WELT

Kritik, Trivialität ist Triumpf

Alexander Schmitz

Kinder delektieren sich am Entsetzen: Enten, noch eben im Donald-Duck-Kleid, wandeln sich zu Bestien; Gabelklemmen schützen Augen, halten Kopfverbände von Sängerknaben; Jazz macht dem "Dritten Mann" den Garaus, als ein Bild einen schmerzverzerrten Kopf an eingedelltem Autokühler zeigt.

All das kann nur zu tun haben mit dem zur Zeit erfolgreichsten Chirurgen und Feinmechanicker des Makabren, dem Zeichner und Maler von Alpträumen, der, hoch intelligent und von Velazquez’scher Genauigkeit, Schabernack mit dem Grauen treibt: Gottfried Helnwein (35), der Wiener Supermann, dessen Plakate und Poster, optische Grillen und seltsam berührende Deformationen bürgerlicher Ästhetik von Portraits eines Lauda oder Ali über Buchcovers etwa zu Botho Strauss, zu Magazintitelbildern von Mick Jagger wie Peter Alexander bis zu sanft getuschten Enten mit Eiscreme und Schulranzen reichen. "Schmierfink" und "Sadist" nennen ihn die einen; er aber selbt pariert, "Die wichtigste Errungenschaft des Jahrhunderts ist die Trivialität", für ihn sind die Registrierung des Klischees an sich und Walt-Disney-Welt das Grösste, ist Donald Duck bedeutender als Mona Lisa.

Helnwein ist ein Mysterium, zweifellos ein Genie, dem Peter Hajek mit seinen 45 ZDF-Minuten ein gelungenes Portrait geschneidert hat, mit Handlungsspots, die aus Bildern erwaschen, chaotisch-heilen Familienszenen a la Helnwein, -- die gelungene Collage über einen "Anti" mit weicher Seele, dem man die Hochachtung von seiner Kunst und um Verständnis bemühte Verwunderung ob seiner Sicht der Welt nicht wird verwehren können.

ALEXANDER SCHMITZ


Helnwein
The Film at the Biennale, Berlin, 1984

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